Love and Peach » Ewige Treue? (J)ein! – Auszüge aus der Warteschleife

Ewige Treue? (J)ein! – Auszüge aus der Warteschleife

‚Selber Schuld, kein Mitleid. Warum lässt man sich auf sowas ein?‘
Ja, eh. Aber jede(r) sollte seine eigenen Fehler machen und jeder vor seiner eigenen Türe kehren. Grundsätzlich sollte man (oder frau) natürlich die Finger davon lassen. So etwas geht nur in Ausnahmefällen gut. Solche kenne ich auch. Hauptsächlich aber das andere. In vielen Varianten, eine unglaublicher als die andere.

Zum Beispiel der Vorgesetzte, der einen unerwartet küsst und man die Welt nicht mehr versteht. Der eifersüchtig ist und, obwohl er verheiratet ist, einem die Liaison mit einem anderen vorhält. Natürlich fühlt frau sich erstmal irgendwo geschmeichelt.
So etwas ist natürlich nicht mir passiert. Und auch keiner Freundin. So etwas passiert einem in dem Alter und mitten im Leben stehend doch nicht. Jedenfalls nicht absichtlich.

Es passiert meistens unerwartet. Man lernt sich kennen, verliebt sich. Wie die sonstigen Rahmenbedingungen auch sind: Es läuft tatsächlich meist nach Schema F ab: Man weiß oder erfährt vom Ehepartner und stellt klar: Entweder sie oder ich. Während du dich scheiße fühlst, dich in die betrogene Person hineinversetzt und bei jedem Kontakt nachfragen musst, ob seine Hoheit es denn schon geschafft hätte, klar Schiff zu machen oder sich zumindest für eine Variante zu entscheiden, genießt er die Zeit deiner Ungewissheit und seiner doppel-lebigen Freiheit, versteckt hinter einer Fassade von ‘Ich brauche Zeit, das ist schwer – ich bin schon so lange mit ihr zusammen‘ und ‚so etwas muss durchdacht werden!‘. Ein Ehegelöbnis innerhalb von Sekunden über Bord zu werfen bedarf es allerdings nur Sekunden. Und für die geplante Zukunft mit der anderen nur Monate. Gut. Man muss nicht alles verstehen.

Das ‚sich Trennen‘ vom menschlich gewordenen Geheimnis gestaltet sich aber ebenso oft als schwierig. Da wird die Option von ‚Dann lass mich bitte einfach gehen – wir tun als wäre nichts gewesen und bleiben Freunde‘ sofort mit einem: ‘Nein, das will ich nicht, ich will und kann ohne dich nicht mehr!‘ abgeschmettert. Hier bringt vor allem Müttern ein gewisses Maß an Erfahrung mit kindlichen Trotzphasen oder pubertierenden, hormonüberfluteten Gehirnen den Vorteil, solche Aussagen für den Moment weg atmen zu können.
Wichtig ist, nicht überfordern – Emotionen, um Gottes Willen, wehe es wird traurig geschaut oder gar geweint. ‚Was tust du mir an? Hab ich es nicht schon schwer genug?‘ – Lass überlegen… Nein, aber ich. Und ich dachte ich mach‘s noch schwerer weil es gerade so lustig ist. Not.

Lustig ist das alles aber wirklich nicht, zumindest für die Menschen, die ungewollt in ihre Rolle als Geliebte(r) schlittern und an eine Beziehung glauben. Am besten kommt man da schnell raus bevor man zu tief drin steckt (Ja, ich weiß.).
Man muss nämlich wissen: nur sehr wenige Menschen trennen sich für die/den Geliebte(n) vom Partner. Es ist leicht, sich ohne Verantwortung zu verlieben. Den Mut, sich mit der kaputten Ehe oder Partnerschaft aueinanderzusetzen und oder etwas zu ändern, haben nicht viele.

Aber es gibt Hoffnung. Spätestens wenn du ihn (zum wiederholten mal) für die bevorstehende Trennung aufbauen musst (die es nicht geben wird), schon selbst daheim mitgelitten hast und er ohne Erfolg weinend wie ein Kleinkind vor dir kauert und ‚ich kann das nicht machen!‘ oder ‚ich will aber euch beide!‘ jammert, werden die ersten Gefühle die nächste Fluchtmöglichkeit ergreifen.
Natürlich geht das nicht so schnell. Du wirst dich noch oft fragen ob du eigentlich blöd bist, dir sagen dass er es ernst meint, egal was andere sagen, und dass er der eine sein wird, der seine Trennung wirklich durchzieht. Du wirst versichert bekommen, dass sie die Trennung jetzt zur Kenntnis genommen hat und dass du die einzige bist, um dann Fotos in sozialen Netzwerken zu sehen, auf denen ‚sie‘ bei der Familienfeier oder im Urlaub neben ihm sitzt. Er wird sich entschuldigen und Ausreden finden. Und du wirst ihm noch 2, 3 mal das gleiche verzeihen. An der Stelle darfst du dir eingestehen dass du eventuell wirklich ein bißchen blöd bist. Während du nämlich nichtsahnend mit ihm in Urlaub fliegst, er deinen Wohnungsschlüssel benutzt und mit dir und deiner engsten Familie zu Abend isst und Kaffee trinkt, läuft auf der anderen Seite in seinem Paralleluniversum nämlich alles wie gewohnt.

Aber keine Angst, er wird es wieder gut machen – einige Menschen sind hier durchaus sehr selbstlos. Sie machen dir Geschenke und wenn du bei ihnen arbeitest, bieten sie dir auch gerne an, deine Kollegin, mit der du gerade Troubles hast, zu versetzen. Ich persönlich habe dieses Geschenk dankend ausgeschlagen.
Manchmal darf man aber auch ein Geschenk machen. Z.b. wenn man von einer Firmenfeier ausgeladen wird, weil überraschenderweise die (angebliche) Exfrau samt Familie kommt. Wenn einem dabei an den Kopf geworfen wird, ob man das dem anderen und sich selbst antun will, die Kollegen eh blöd wären und ob man an dem Tag nichts anderes tun könnte…. Dann darf man trotzdem hingehen. Spätestens hier hat sich der Respekt vor der Person eh von selbst verabschiedet. Dann ist einem auch egal, ob es noch einen Ring gibt oder nicht.
Man fühlt sich als wäre man nach einer ewigen kräftezehrenden Reise nach Mordor mit Frodo samt Ring am Rücken beim Feuer des Schicksalsberges angelangt und möchte beide einfach nur mehr abladen und ihrem Schicksal überlassen. Das langersehnte Ziel geht einem mittlerweile so am Arsch vorbei, dass man das Teil nicht einmal mehr ins Feuer werfen will. Spätestens hier sollte man sich gedanklich einfach umdrehen und einen Schlussstrich ziehen.

Es kommt auch nicht selten vor, dass minutiös Scheidungstermine geschildert werden, die nie stattgefunden haben. Und manche (Zweit-)Frauen werden ironischerweise zu Familienfeiern oder Hochzeiten eingeladen und kurz davor wieder ausgeladen – das hat wahrscheinlich einen guten Grund: Er ist selbst noch verheiratet und seine Frau weiß nichts von einer Scheidung. Wahrscheinlich erzählt er auch dass er eben gezwungenermaßen doch allein dorthin muss. Er will eh nicht weil alles so unangenehm für ihn. Weil der Bräutigam nicht gut genug für die Schwester (hallo Ironie…) und die Ex halt ein notwendiges Anhängsel der Familie ist. Nur nötiger Smalltalk mit ihr.
In dem Fall sei allerdings darauf zu achten sich nicht händchenhaltend mit der *hoppla* doch noch Ehefrau auf Videomaterial zu präsentieren. Spät aber doch – aufgeflogen. Dieser Kandidat war wirklich nicht schlau.

An der Stelle an die Meister sachzwangreduzierter Ehrlichkeit: wenn ihr Scheidungstermine ect vorspielt: plant es wenigstens ordentlich, ihr macht euch nämlich damit vor allem eins: lächerlich.
Und stehlt bitte keiner Frau die Zeit. Weder eurer eigenen, noch einer anderen.

Weil abseits von jeglichem Humor, wird nicht nur eine Seite verletzt, sondern vor allem auch eine andere Person von Anfang an betrogen. Warum viele Betrogene sich trotzdem nicht trennen? Oft aus familiären, gesellschaftlichen und familiären Gründen. Aus Angst, niemand passenden mehr zu finden usw. Wobei – eigentlich kann es in solchen Fällen ja nur besser werden, oder?

Irgendwie ist es wirklich beneidenswert wie manche Menschen mit so etwas durchkommen. Ich hab nicht mal so viel Glück wenn ich vergesse in der Kurzparkzone das Handyparken zu aktivieren. Wobei: Lieber zahle ich Parkstrafen bis an mein Ende und spare mir solch unnötigen Abenteuer und Gefährten und lade sie und ihre Sachen woanders ab.