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Timing

Timing is a bitch. Meistens. Wie bei allen Dingen im Leben, prägen wir uns besonders das negativ behaftete ein. Das ideale gefundene Fressen für’s Timing: Jobs und Beziehungen.

Wer kennt’s? Man hat ein super Job-Angebot. Nachdem man sich schon ein halbes Jahr umgesehen hat, weil der jetzige Arbeitsplatz nicht mit dem restlichen Leben vereinbar ist, geht man zu seinem Chef um ihn den Wechsel zu eröffnen – und gerade jetzt ist eine Stelle freigeworden, die man aus logischen und vernünftigen Gründen eigentlich nicht ablehnen kann. Etwas, wofür man eigentlich dankbar sein sollte oder wäre, wird plötzlich zur Zerreißprobe. Danke Timing.

Oder man plant vielleicht sich selbstständig zu machen. Hat Kurse gebucht, das Ersparte investiert – den Job gekündigt. Plötzlich steht eine Trennung im Haus und entgegen aller Vereinbarungen steht man ohne Wohnung da. Dafür vielleicht mit Kleinkind. Und Hund.

Als Kind denkt man, Erwachsen sein heißt: Eis essen zum Frühstück, schlafen gehen wann man möchte und irgendwer wird dich für deine Fehler höchstens schimpfen und sie dann ausbügeln.
Nein. Als Erwachsener müssen wir nicht nur unsere Fehler selbst ausbügeln, sondern auch die anderer und alles andere on top. Hüte sich wer Kinder hat. Einerseits weiß man wofür man lebt, gleichzeitig fragt man sich manchmal, ob wir alle nur die Pointe eines kosmischen Scherzes sind.

Langweilig wäre es, wenn es in zwischenmenschlichen Angelegenheiten anders wäre.
Es gibt da z.B. diese eine Person. Wir kennen uns schon lange und es war schon immer eine Anziehung da. Aber – Timing sei Dank – krätscht uns jedes Mal irgendjemand dazwischen. Einer von uns ist immer besetzt. Oder hat gerade „jemanden kennen gelernt“. Vor Kurzem war das Fenster endlich einmal offen. Ob aus uns was werden würde? Wahrscheinlich nicht. Aber: hätten wir früher unserem schlechten (oder zu guten) Gewissen getrotzt, hätten wir beide uns vielleicht jeweils eine unnötige Beziehungs-Erfahrung und auch sonstige Unannehmlichkeiten erspart.
Also – nicht zu viel nachdenken und ruhig einmal etwas egoistischer sein als umgekehrt.
Genauso ist es aber auch andersrum. Bist du dir einer Person nicht 100%ig sicher (oder sie sich selbst) – lass dich besser nicht drauf ein. Schon hast du nämlich im Handumdrehen Monate deiner Zeit verschwendet, drei Staffeln einer Serie gesehen, die sonst nie auf deine Watchlist käme und mindestens zwei heiße Abenteuer abgelehnt.

Du hast eine Woche nach einer Trennung ein Date? Und weiter? Wer legt fest wie lange man nach einer Beziehung mit etwas warten muss?
Man meldet sich ja nicht gleich bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ an, nur weil man sich unverbindliche Dates ausmacht, bei denen es eher nicht darum geht, ob der eigene Geschmack mit seiner Inneneinrichtung zusammenpasst.
Apropos Inneneinrichtung: Man kann auch mit einem Casual-Spielgefährten Arm in Arm auf der Couch vorm TV liegen und das mindestens genauso genießen wie in einer Beziehung (die manchmal genau so echt ist wie das Gesicht von Jeannine Schiller). Weil einfach keiner dem anderen was vormacht. Und nebenbei steht einem alles offen.
Maximaler Genuss, zero wasted time.

Die gute Nachricht – man kann fast alles nachholen und für die meisten Dinge ist es nie zu spät. Aber lass dir nicht zu viel Zeit. Man weiß nämlich nie wie lange das Fenster offen ist. Ob im Job oder in der Liebe.